A real misfit

Mai 8, 2008

Tja, Jungs. Sorry. Es war sicher gut gemeint, 30 Jahre MISFITS und so. Aber das war leider gar nix. Nixe. Mit guter Erwartung ins Docks und dann, 25 Euro leichter und dreineinhalb Bands später, mit schüttelndem Kopf nach Hause. Ein Sound wie im Horrorbuch, alte Herren, die fast lustlos Lieder runter kloppen, die man sowieso nur erahnen aber auf keinen Fall erkennen konnte und ein steifes, ebenso fast lustloses Publikum, dass an diesem Abend sowieso nur seicht vorhanden war.

Heideroosjes waren unerwartet echt noch die Besten, haben aber dennoch jetzt nicht den Abend allzu viel herausgekitzelt. Und so bin ich, wie viele andere, einfach enttäuscht und hätte, bei aller Misfitsliebe, den Abend einfach besser mit einem Jever am Strand ausklingen lassen sollen.

Aber gut. Ich konzentriere mich nun auf das nächste Highlight mit Ignite und Death Before Dishonor und hake das Ganze mal ab. Alten Herren darf man schließlich nicht böse sein.

This is good!

Mai 7, 2008

Ich bin ja eigentlich ein ziemlicher Filmlulu: 1. die wenigsten Klassiker gesehen und 2. weiters auch in der aktuellen Cine-Welt nicht wirklich auf dem Laufenden.

Aber dennoch kommen mir ab und an gute Filme unter, die ich dann so lange auf meiner gedachten Liste habe, bis ich sie ebenso gedacht abhaken kann. Entweder berühren mich die Streifen dann gar nicht - oder schlagen bei mir wie eine Bombe im Krisengebiet ein.

So gestern abends mit einem britischen Film geschehen. THIS IS ENGLAND (verrrry nice website!). Verdient alle Auszeichnungen zu Recht, berührt, erzählt, bildet und lässt einen mittendrin sogar verzückt quiecken. Undd das nicht nur Freunde des echten britischen Akzentes. Selbst der Soundtrack ist eine Wucht (nicht nur im Preis von amazon) und ich kann THIS IS ENGLAND einfach nur jedem ans Herz legen, der seichte Spülkomödien satt hat, Freund von schönen Bildern und kantigem Inhalt ist und einen kleinen rothaarigen britischen Jungen ins Herz schließen möchte.

***** 5 Hanna-Filmsterne.

One Way Road

April 29, 2008

Sehr schön.

Die Meldung des Tages (und das an einem Dienstag!) war zeitgleich ein Link, der ab Bekanntgabe des Datums, den Countdown zum NEUEN OASIS ALBUM zählt.

www.newoasislp.com

Ich stehe ja nach wie vor zu meiner Oasisliebe und verehre die Herren aus England wie damals, als ich mit 13 (grob wurstig geschätzt) den ersten Weg des guten Geschmacks eingeschlagen bin (was sich auf mein Outfit aber leider nicht sonderlich deutlich abgezeichnet hat - zu groß war Unsicherheit und Nichtwissen der passenden Kombinationsmöglichkeiten meinem Alter entsprechend).

Sie haben verdammt gute Alben gemacht, Musikgeschichte geschrieben, sie haben Scheiße gelabert, zu viel getrunken, gezogen, gekifft, sie haben schlechte Schlagzeilen und einige Chartsbrecher rausgebracht, sie haben zuletzt ein unnötiges Album auf den Markt geworfen, weiters ein paar unmögliche Lieder veröffentlicht und dennoch eine ganze Nation, eine ganze Schar Fans entzückt und gehen nun also einen Schritt voran. Und ich werde wieder dabei sein.

Today I found a really lovely thing on the web. Here you go.

Da fehlt nur noch: WO WÜST, GSCHISSANA. Rosa Garn. Überm Heisl.

Ich komm jetzt sicher nicht mit diesem abgedroschenen April-April-Spruch… aber er macht wirklich was er will und ich fühle mich wie eine arbeitssuchende 45jährige Uschi, die den ganzen Tag nur über das Wetter schimpft, sich mit ihren dicken Brüsten über die Fensterbank lehnt und dabei Kette raucht, als ob Tabak in Massen besseres Wetter und mehr Geld bringen würde.

Wir haben uns aber nichts nehmen lassen und sonntags, nachdem es verheißungsvoll vom Himmel strahlte, den Fertiggrill angeworfen.

Es lebe die Kompromisslösung und ein Kopf voller Ideen! Zucchini rauf, dann das Fleisch und meine Fakeschnitzerl hab ich letztendlich einfach in die Pfanne gedroschen, weil ein zweiter Grill das Wetter von rechts wohl nicht überlebt hätte. Danach zwang mich eine gepflegte Schweinelähmung auf die Couch und später ins Bett. Hat sich also gelohnt. Satt samma wordn.

Berlin find ich nun übrigens auch nimmer sooo scheiße. Also, wohnen würd ich dort nicht wollen. Ich spreche da nicht von ein paar Wochen oder Monaten… - aber mein Haupt dort fix und ergeben jeden Tag auf das Kissen zu legen, würde mir wohl einiges abverlangen.
Klar, man sieht immer nur einen Bruchteil, kann erst mit jedem Besuch den Eindruck erweitern und dann besonders im Sommer eine Stadt lieb gewinnen.

Berlin ist definitiv keine Stadt für den Winter und bei Sonnenschein um geschätzte 80% reizvoller. Es ist eine große graue Stadt, mit so vielen Winkeln, Leuten, Ecken und Unterschieden, dass man irgendwie gar nicht nachkommt und häppchenweise saugen muss. Klar, das macht die Sache interessant und die Stadt unverwechselbar, aber dennoch muss ich nicht. Vergleichen schon gar nicht. Hamburg ist nicht Berlin und umgekehrt. Gut so! Ich weiß, wo ich hingehöre und nun wo ich in der Hauptstadt gut einkaufen kann. Ich hoff, dass mir noch viele andere Berliner Ecken gezeigt werden und weiters, dass Hamburg nicht langweilig wird. Aber wie sagt meine Mama immer?

MAN MACHT ES SICH IMMER SELBST SCHÖN. ODER LANGWEILIG

Durch meine lange Schreibpause bin ich beflügelt und möchte meinen blog wieder ein wenig ankurbeln. Dürreperioden sind zwar langweilig, aber für mich fruchtbar und effektiver, als konstant gepfufften Textreis zu posten.

So brachte die SZENE HAMBURG diesen Monat auf Seite 28 einen Artikel heraus, der mich an der journalistischen Kompetenz der Hamburger zweifeln ließ.

Inhalt sind 50 Fragen in das Universum hineingefragt. Ein Drittel ist zum Schmunzeln, ein Drittel beantwortbar und nicht nötig und das letzte Drittel für die Forellen.

Nun juckte es mir schon beim Lesen in den Fingern. Also pick ich nun ein paar rethorische Fragezeichen dieser unnötigen Liste auf und überleg mir währendessen, was man mit Seite 28 eher hätte anstellen können

2. Was passiert eigentlich, wenn ich beim Backen den falschen Mehltyp benutze?
Von viel über Nichts bis wenig ist hier alles drin. Genauso wie man beim Laufen eben Lauf- und beim Fussball eben Fussballschuhe benutzen sollte, um beste Ergebnisse und einen barrierefreien Erfolg zu haben, wollen Brot und Gebäckstücke eben auch eine passende Grundlage.
Kekse brauchen helles, backfeines Mehl (das 0815-Hausmehl - Typ 405 zum Beispiel) - kräftige Brote für zünftige Brettljausen hingegen wollen mit Type 1740 geknetet und gegessen werden.
Die Kreuzung meiner Beispiele würden einfach einen schlechten Erfolg und wohl verkümmerte Kekse und unresches Brot bieten.

2. Warum heiraten meine Freunde
Weil sie lieben, verliebt sind, Kinder haben oder kriegen, weil sie den Deckel gefunden haben und nun bis zur Scheidung mit einem Ring am Finger und einer Frau an der Seite durchs Leben wandern wollen. Ganz einfach.

6. Warum mag niemand mit mir auf den DOM gehen?
Auch einfach.
Sorte 1 der Anti-DOM-Geher hat vor Jahren aufgehört Freude an diversen Spaßfahrgeschäften zu finden und findet obendrein ein Herumschlendern um dieselben auch genauso unaufregend.
Sorte 2 hasst Menschenmassenansammlungen, wie FR-SO zu finden, und verbindet diese so sehr mit dem Hamburger DOM, dass er auch MO-DO den Atemn tausender Menschen vor und im Nacken fühlen kann
Sorte 3 achtet schlichtweg auf seine Linie und würde bei einem einzigen 10-minütigen Besuch den gesparten Kalorienpensum einer Woche dort den dicken Frauen beim Schmalzgebäckwagen in die Hand drücken. Von den anderen Fressbuden die legendäre Fresstouren heraufbeschwören schon mal ganz abgesehen.
Sorte 4 fürchtet sich vor den außerstädlichen Jugendlichen, die gefühlt einen ganzen Messerschrank in der linken Jackentasche mit sich führen und auch nicht gerade den harmonischen Gesinnungsdrang mit auf das heilige Geistfeld gebracht haben
Und Sorte 5 hat einfach keinen Bock mit Dir auf den DOM zu gehen.

7. Warum muss gerade ich das machen?
Weil es Dinge gibt, bei denen uns das Schicksal hinters Ohr kackt.

9. Sollte ich Chinesisch lernen?
Nein.

10. Warum kann ich nicht jetzt Rente bekommen und später mehr arbeiten?
Sag mal, tust Du nur so blöd, oder blendest Du den Fakt, dass Du später ÄLTER und SCHWÄCHER seien wirst komplett aus? Vom Kugelschreiberdrehen kann man sich höchsten eine Packung Hartweizennudeln von PENNY leisten. Mit Dosentomaten dazu. Ohne Gewürze.

19. Was passiert wenn ich liegen bleibe?
Freundchen. Ich kenn Dich nicht und aus Humanität muss ich nun aufstreben aus genau diesem Fakt Dir neutral gegenüber zu stehen. Geht SO aber nicht.
Aus Deinem Satz geht hervor, dass Du einen Job hast. Und ein Bett. Davon geh ich aus, dass Du im schlechten bis Normalfall eine Wohnung hast - im besten Fall ein eigene Haus.
Wenn Du liegen bleibst, und das dann öfter machst, wirst Du, ganz einfach, nichts mehr davon haben und schnell zum Amt für Arbeit laufen, damit Du Dir weiter Deinen Computer leisten kannst, dem Du so schwachsinnige Fragen in den Monitor tippst.

21. Benötige ich eine Auffrischungsimpfung?
Mein Lieber, woher sollen wir das wissen? Wer lesen kann ist klar im Vorteil und es gibt wohl nicht umsonst diese schlauen Impfpässe, die notwendige Injektionen ohne Zeigefinger aber mit Datum anziegen.

24. Wie oft muss ich eigentlich noch joggen gehen?
Bis Du a) erfolgreich abgenommen hast (und denkst, dass das Ziel erreicht ist), b) erfolgreich einen Marathon gelaufen bist (und denkst, dass das Ziel erreicht ist) oder c) erfolgreich Knieprobleme gezüchtet hast, sodass nun selbst das Gehen ein Fall für den Orthopäden ist.

26. Darf ich meinen Hausarzt eigentlich unbestraft vermöbeln für den Satz: “Glauben Sie, dass das von alleine weggeht?”
Nein.
1. Vermöbelt man jemanden nur in der Volksschule wegen Lapalien und 2. schon gar nicht jemanden, den man am Ende noch bezahlen muss. 3. hat Dir Gott zwei Lippen gegeben, die wunderbar mit den Stimmbändern kooperieren können. Wenn Dich das Argumentieren und verbale Wehren nicht befriedigt, bleibt Dir noch 4. übrig, den Arzt zu wechsen und Dir selbst an den Kopf zu greifen, warum Du Dich eigentlich bei so einem Schnacker angemeldet hast und nun zweimal Kosten aus der eigenen Tasche begleichen kannst, um nur ein Ergebnis zu erzielen.

28. Warum stelle ich mir plötzlich so viele Fragen?
Damit junge ambitionierte Mädchen was zu tun haben, bis es endlich Mittagessen gibt.

Als ich heute Nachmittag eine Recherche durch ein sehr berühmtes Werbemagazin machte, bin ich auf ein Bild gestossen, dass ich mir am liebsten mit 2 m Breite in mein Schlafzimmer hängen würde. Fotograf ist manuagah.com und die Personen sindungeschickt retuschiert, da alles andere zählt, nur nicht sie.

Meine Karre unter Kirschblüten vor meinem Haus, in dem ich sitze und mit großen dicken Stricknadeln und weißer dicker Wolle Schals und Socken stricke. Später abends küss ich meinen Mann, sobald er seinen schwarzen Dodge Charger in der zwieten Garage abgestellt hat, und nach Hause kommt. Dann essen wir Maccaroni & Cheese, lachen über fette Frauen im Fernsehen, ehe wir uns selbst eingestehen, dass das Leben in der Stadt eigentlich schon ganz geil war.

Falcon singen Black

März 18, 2008

Als ich meinen ersten Fotoapperat bekommen habe, stellte das erst meine Mama, dann meine Oma in Frage. Wer soll den Film kaufen? Wer entwickeln? Und am Ende kommen sicher nur schiefe komische Kinderbilder raus, was ich nun, heute, bestätigen kann, dies aber als einen wichtigen Teil meiner unwichtigen künstlerischen Karriere sehe.

Als ich dann kurz danach den Schwarzweißfilm für mich entdeckte, hab ich es mir nicht nehmen lassen, bei beim nächsten Venedigausflug kitschige Aufnahmen von Tauben, Palästen und meiner Schwester zu machen, die sich aber als gar nicht so schlecht entpuppten. Was mich damals stolz machte, kann ich heutelässig erklären: SW kann nunmal aus einfachen Motiven schnell was Gutes machen. Was Schönes. Was Charakterstarkes.

Als ich dann wiederum zu Hause war und die Abzüge meiner Oma zeigte, meinte die, wie schade das sei. Die Schwarzweißfotografie. Dass man Momente fängt, aber die Farbe nicht mehr hat. Und nicht mehr bekommt. Dass man nur einen Abzug in Graustufen hat und das zwar gut aussieht, aber die bunte Vergangenheit nicht wiederholbar ist.

Ich kann mich erinnern, dass ich damals sauer war. Meine Fotos waren gut, meine kreative Ader hat pulsiert und ich fand es überhaupt nicht schade, dass die Latzhose meiner Schwester einen undefinierbaren Grauton aufwies, anstatt dunkelblau unter der venezianischen Sonne zu leuchten.

Gestern stand ich also bei diesem neuen Photoautomaten am Alten Schlachthof und gerade, als ich mich zu wundern afning, warum die Bilder aus Berlin viel schneller aus dem Kasten waren, musste ich lächeln. Ich sah zu dem riesigen leuchtenden REAL,- Schild hinüber und musste meiner Oma recht geben. Rot ist grau. Blau ist grau. Und der Himmel ist dann auch grau. Wäre.

Ich möchte grad nicht über Schwarzweiß-Photographie schreiben, philosophieren und nachdenken. Ja, stimmt schon. Es gibt so viel was in SW bzw. BW so viel besser aussieht. Brustwarzen, einige Hochzeitsbilder und manche Babies. Viel Architektur und häufig Portraits. Aber kein Gras, keine Tomate, keine delial Sonnenmlich, wie sie so gelb im beigen Sand zum hellblauen Himmel beisst.

Dennoch mag ich diese Photoautomaten. Vielleicht, weil sie schon immer so waren. Weil sie sind wie sie sind und man nicht von einer Filmwahl, von einem Farbverlust, von einem EVENTUELL redet. Weil diese Streifen eben schwarz-weiß sind und auch in der Zukunft nicht um die Vergangenheit weinen, weil man wußte, was man tat, weil man wußte, dass es 4 Schnappschüsse aus einer Box sind, die man dann zu Hause aufhängt und deren eigenen Charakter man gut findet. Ohne WENN und ABER. Ohne Nachdenken. Vielleicht, weil man es einmal nicht selbst in der Hand hat, welchen Film man einlegt - oder welchen Modus man auf der Kamera wählt. (Photoshop > Modus > Graustufen > zählt nicht).

Verrrry nice!

Februar 11, 2008

Nachdem CONTROL mich nun zwei satte Wochen in den undefinierbaren Sumpf gezogen hatte (nein, ganz großartig war dieser, viel zu großartig für das, was ich a) erwartet hatte und dann b) verdauen konnte), musste ich dann doch mal Sam Rileys faszinierende argen Augen (und somit Ian Curtis auf eine seine Art) vergessen und dann doch mal die Sonne rein lassen.

Da ein “paar” Hamburger an diesem 2. sonnigen Tag des Wochenendes die gleiche Idee wie wir hatten, schoben wir uns gestern wie die Pinguine im Zoo um die Alster, überholten Familien, alte Frauen, langsame Mitt-40er und Walking-Duos, ehe wir bei meinem geliebten Platz halt machten, um die ersten Sonnenstrahlen des Jahres zu tanken und für etwaige graue Märztage zu konsveriren versuchten. Englische Kekse, glitzerndes Wasser und eine freie Sitzbank. Hey, ich war selten so dankbar in letzter Zeit.

Naja, gut, bisschen frisch wurde es dann schon - und am Ende des Tages erinnerte mich nur noch meine Sonnenbrille im frisch geschnittenen Haar, dass es ein Sonnentag gewesen sein muss.

Ich schob am Ende, sichtlich erschöpft vom kräftigen Marsch, mein kleines Fahrrad nach Hause und weiß jetzt was es war: nicht der Film. Naja, sagen wir: nicht nur der Film. Denn der hat mich schon kräftig in die Waagrechte gestreckt. Aber zum Großteil war es einfach die Sonne, das Helle, das Weite und Freundliche, dass ich auch gern im Bett genieße, während andere im Lokal unter meinem Haus sitzen, late matschatscho (sprich: “late (wie engl. spät) matschatscho”) trinken und abends vom Sonnenstich kotzen. Auch im Februar.

Schön. Es ist halb drei nachmittags und mit einem Bein steht die deutsche Nation nun schon so gut wie im Wochenende.

Wochenende.

Früher hab ich es gehasst, das Wochenende. Samstag. Sonntag. Ich hab nicht nur die zwei Tage an und für sich gehasst sondern, im Laufe der Jahre, auch einen regelrechten Hass auf dieses eine Wort aufgebaut. Wochen-Ende. Soso. Zwei Tage am Ende von der Woche. Und dann geht der ganze Schmafu aber eh wieder von vorne los.

Ja, früher war ich schon Freitag Abend nervös, weil ich wusste, was auf mich wartet. Und war der Samstag rum Abend konnte ich dann gar nicht mehr klar denken, weil ich dann schon zu Recht ahnte, was auf mich wartet: der verkackte Sonntag nämlich. Der steht zwar im Volksmund immer so als George Clooney der Wochentage da, ist im Endeffekt aber was sehr Lausiges.

Der Sonntag verlangt nämlich in erster Linie unsere vollkommene Aufmerksamkeit. Das fängt schon am Samstag an, wenn man überlegen muss, was man für den nächsten Tag so alles an Ess- und Habsalien braucht, um locker und entspannt über die Runden zu kommen. Diesen Fakt können Großstädter meist lässiger sehen als Menschen vom Land, die in nächste Dorf pilgern müssen und dann samstags den Geschäftsschluss um 16 Uhr nicht verpassen sollten. Denken denken denken - nur wegen eines verdammten Wochentages.

Weiters möchte der Sonntag von uns meist Planung - oder eben Nichtplanung. Meist rufen die Leute schon um 11 Uhr morgens an, fragen nach Frühstücksplänen, nach Mittagsplänen, nach Nachmittagsideen und nach Abendplanungsvorhaben. Zum einem, weil viele viele Menschen nicht Nichtstun können (ich! ich kann das ganz herrlich!) und einen Sonntag OHNE smart überdachtes Ausfüllungskonzept für schwach, langweilig und schlicht nicht gut halten. Ein Sonntag muss Programm haben! ruft die Nation und stürzt sich in Kaffeehäuser oder Gebäude, die entweder mit Bildern, Tieren oder Kindern gefüllt sind.

Ich kann es Ihnen nicht übel nehmen. Ich war früher genau so.

Ich hing bis mittags in der Wohnung und fühlte mich unendlich leer, trotz Eiernockerl im Magen und Musik im Ohr. Krampfhaft hab ich versucht die Stunden mit Leuten, Skulpturen und diversen Kuchenstücken zu kitten und bin sogar so weit gegangen, dass ich FRÜHSTÜCKEN auch sehr hip und toll fand, auch wenn ich samstags dafür extra im Müsliregal des Supermarktes eine Voratsschachtel Cerealien abgegriffen hatte (siehe oberer Absatz). Erst wenn ich abends ein paar Leute, ein paar Milchkaffee und mindestens ein abgerissenes Ticket meinen Tag nennen konnte, wollte sich mein Korpus zur Ruhe legen und diesen “toten Tag” einen “guten” nennen.

Genau die Sache mit dem “toten Tag” machte früher für mich die ganze Sache zum Problem. Es schien, als ob die bildlich gesprochenen Rollläden, die Samstagabend die Läden schlossen, auch über mich einen grauen Vorhang legten und diesen erst wieder entfernen würden, wenn Montag Morgen die ganzen Geschäfte der Stadt die Türen öffneten.

Damnit!

Irgendwann, es muss wohl im Zuge des grausamen Erwachsenwerdens gewesen sein (erstes Drittel), hab ich mit der Scheiße aufgehört. Zum einen hat mein Umzug nach Hamburg schon mal sehr geholfen, wo dieses “Sonntagsgefühl” einfach nicht existiert und ich sehr wohl einen ganzen Tag in Jogginghosen auf meiner Couch liegen kann, ohne dabei den großen Blues schieben zu müssen.
Zum anderen bin ich sogar schon so weit, dass ich an den meisten Sonntag richtig glücklich bin, dass die Läden eben nicht offen haben und ich seelenruhig, Sonntag Morgen, durch die sonnige Innenstadt joggen kann, ohne dabei diverse Passanten, Kunde und Kinder nieder zu rennen. Go go go! Einfach straight durch. Die Mönckebergstraße runter, quer übern Jungfernstieg, vorbei an Schaufenstern und wenigen Spaziergängern, die Kaffeetogobecher in der Hand halten und mich für IRRE deklarieren.

Zwar muss ich gestehen, dass ich als berufstätiger Mensch nur den Samstag habe, um zum Beispiel die neue Kollektion von COS zu begutachten und später auch noch meinen Kühlschrank aufzufüllen, aber Planung ist alles. Ich denk sowieso, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Läden auch sonntags ihre Tore hochreißen und die konsumgeilen Hühner in die Stadt springen, um auch noch am 7. Tag der Woche ein paar Piepen für billig gefertigte Hasi&Mausi-Teile beim Fenster raus zu donnern.

Und wisst ihr?
Ich gestehe. Ich gestehe, dass ich dann DEN Sonntag vermissen werde, den ich hier so lieben gelernt habe. DEN Sonntag, an dem man in die kostbar , zum Hafen, zur Tanke (Gurken! Ich brauch unbedingt Gurken!) und vor allem: in die Waagrechte geht - nachdem man den Vormittag in der Innenstadt herumgejoggt ist, wo man seine Schuhe sogar am Mamor aufsetzen hören kann und es schön findet, seine Nase am Massimo Dutti geschlossenen Schaufenster platt zu drücken. DEN Sonntag, an dem ich abends auf der Couch sitze, mir ein Fernsehduell zwischen dem perfekten Dinner und den Auswanderern gebe, und ohne schlechtem Gewisse schlafen gehe, weil der lausige Sonntag wieder mal ein lausiger Sonntag war, der sich aber gar nicht so schlecht anfühlt.

Okay. Ich gebe es zu. Ich bin nun erwachsen. Und: ich liebe diese verdammten Sonntage.