LÜÜÜÜÜÜÜCHT!

Oktober 9, 2008

Liebe Freunde der Blasmusik,

manchmal frag ich mich echt, wie langweilig den Leuten da draußen sein muss. Wie frustriert und ganz tief drinnen verkrümmt sie auf den Straßen dieser Stadt umherirren und mit runzeliger Stirn und gierigen Augen die andere Leute in ihrem Treiben beobachten und nur darauf warten, dass etwas passiert. Etwas, dass nur sie entdecken und das ganz ganz falsch und absolut böse und gegen das werte deutsche Gesetzt gerichtet ist.

Da fährt man unbekümmert, frisch, fröhlich fromm und frei 2 m mit dem Fahrrad auf der Straßenseite, sie man laut Buch eigentlich auch nicht benutzen sollte, es aber tut, weil es eben verdammte 2 m sind und das ganz einfach mal eben nicht anders geht. Man ist niemandem im Weg, die Sonne scheint, die Räder rollen und alles scheint, trotz des winzigen Gesetzesbruchs, wie aus dem O.C. California Drehbuch. Und plötzlich steht am Wegesrand ein kleiner alter Mann, der mit hochrotem Kopf und auf Brusthöhe hochgeschnallten Cordhosen am Fußgängerweg steht und einem, als hätte man soeben eine kleine alte Lady beraubt oder die Mutter mit Brut im Kinderwagen heavy metal umgefahren, um die Ohren brüllt „FALSCHE SEITE! FAAAAAALSCHE SEEEEIIIIITE!“

Armer kleiner Mann, denk ich mir dann immer. Vielleicht heißt er Peter oder Dirk oder Hans. Hans hat nichts mehr im Leben und vielleicht auch nie gehabt. Der spaziert jeden Mittag auf der Osterstraße herum und trinkt nachmittags dann alleine Kaffee bei Stenzel (seit die umgebaut haben aber auch nicht mehr so gerne), ehe er abends mit FAXE ins Bett steigt und seine Hand traurig auf seinen kleines runzliges Sackpaar legt. Und ich weiß, dass er EIGENTLICH (nach wie vor mein Lieblingswort) Recht hat. Dass man rechts und links, wie die Automobile, fahren und weder den Fußgängerweg noch die Einbahn von der falschen Seite benutzen sollte, wenn es nach Typen, Männern und Menschen wie Hans geht. Doch kann man nicht immer alles so eng wie frisch gekaufte Feinrippunterhosen sehen und schon gar nicht andere Menschen, nur weil Kompensation im Unterbewußten eine ganz große Rolle spielt, auf der Osterstraße zu Recht weißen, weil eigentlich (!) jeden seinen Düdl machen muss.

Aber wenn wir schon bei den Radfahrern sind, zu denen ich auch gehöre, sind die selbst auch so ein eigenen Völkchen und schießen den Arroganzvogel jedesmal ab, wenn sie, nach einer undurchsichtigen Situation, vorfahren, nochmal zurückblicken, dann wieder nach vorne blicken und ganz ganz innig ihren Kopf schütteln. So auf „nein nein nein, was es da draußen auch alles für Vollidioten gibt! Ungelaubelich ist das!“ – und fahren mit ihrer „Ach Gottchen diese unwissenden Haldebilen, die können ja alle nicht ihre Gurke handhaben“-Haltung weiter, während Menschen wie ICH dann an der Ampel stehen, die leider ihren guten Ohwurm dadurch noch verloren haben, und sich fragen, warum das Menschenbewertungssystem grad im Straßenverkehr ein derartiges Parameter geworden ist, dass ich schon Angst habe, irgendwann einer dieser Kopfschüttelnden Menschen im WIRKLICHEN LEBEN über den Weg zu laufen.

Leider kann man da generell jetzt gar nix machen. Im Besten Fall nur: alles richtig. Immer schön rechts fahren, wenns rechts gehört, und links sein, wenns links sein soll. Aber selbst dann weiß ich was passiert, wenns abends wird und man bei Einbruch der Dunkelheit grad nicht dran gedacht hat, das Licht schon einzuschalten. „LÜÜÜÜÜÜÜÜCHT!“ Is ja gut, Hans, hast ja Recht. Ich steig jetzt einfach gleich ab und mach das Scheißding an. Damit Du weißt, dass Du Recht und ein flottes Mädchen ganz ganz doll belehrt hast heute. Dann kannst Du nach Hause gehen und schon mal FAXE aufmachen. Und das mit der Hand vergessen wir heute mal, war ja schließlich ein guter Tag.

Eure Hanna S.

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2 Responses to “LÜÜÜÜÜÜÜCHT!”


  1. Das sind alles Menschen, die sich nachm Scheißen die Hände nicht waschen, dann aber mit dem Finger auf dich zeigen.

  2. werner Says:

    Oh wie Du Recht hast! Dresden ist leider auch eine hammerharte Stadt voller Richtigmacher! Und im Job erleb ich die Typen auch leider oft. „Ich richtig, Du falsch“ im Dauerprogramm. Nur manchmal kann ich geniessen, wenn ich morgens darauf hingewiesen werden soll, dass ich abends zuvor ohne Licht auf dem Gehweg gefahren bin. Passiert leider oft. Aber wenn Du so gut drüber schreibst, gehts schon besser. LG! @Werner


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