Von Kastanien, Pilzen und Strumpfhosen

September 8, 2008

Es ist einer dieser Tage an denen die Nachrichten nichts zu verbreiten haben und bei den News steht: Carla Bruni: „Ich war ein bisschen naiv.“.

Es ist einer dieser Tage an denen man morgens mit dem Rad die Straßen entlang fährt und merkt, dass es wirklich Herbst ist; dass der Sommer still und heimlich weiter gezogen ist und man in der Mittagspause durch buntes Laub geht, Angst hat auf Igelfamilien zu treten und sich abends einen dicken Pullover anzieht, während der Tee grad zieht. So romantisch es klingt, so schön und klischeehaft ist diese Jahreszeit einfach auch.

Ich liebe den Herbst. Wirklich. Er ist der bessere Sommer und doch nicht so krass wie der Winter. Er erinnert mich an früher, an den Kindergarten, an Erntedankfeste, an Kastanienklauben und Schulbeginne, an denen mein Hintern so doll kribbelte. (Das tut er immer wenn ich ganz arg aufgeregt bin) Genau dann scheint die Sonne, aber so milde und gut, als ob sie ebenso Angst vor dem Winter hätte, aber weiß, dass auch er kommen muss. Genau dann haben wir langsam eine Schicht mehr an, hören das Gejammer der anderen Leute und blicken sonntags, wenn wir aufwachen, durch das Fenster auf die Blätter der Bäume, die sich durch den Wind so schnell hin und her drehen, dass man meinen möchte, dass sie glitzern.

Genau dann bilde ich mir, wie jedes Jahr zu dieser Zeit, ein, ich müsse mir nun Herbstmode zulegen. Schokobraune blickdichte Strumpfhosen, camelfarbene Stiefel und beige Cordröcke. Auch wenn, vor allem letzteres, so gar nicht mein Stil ist, hüllt mich ab September, wenn die Sonne tiefer und die Gemüter ruhiger stehen, plötzlich dieses Gefühl ein und ich fühle mich wie die Else in der Teekanne-Werbung, die mit dicken Socken auf dem Parkettboden Ihrer Werbungswohnung herum tappst. Und obwohl ich gar nicht so ein verklärtes und verträumtes Mädchen bin, macht der Herbst das mit mir und lässt mich Bambis und Fliegenpilze in meiner Wohnung aufstellen und mich glauben, dass Cordröcke genau zu alledem passen. Cord! – Ich kann es nur einmal noch wiederholen.

Und so stand ich heute morgen an der Ampel neben einem Mädchen, dass einen ebenso beschriebenen Rock trug. Dieser Anblick erschütterte meine morgendliche Benommenheit so sehr, dass ich beschloss, vielleicht mal mit den schokobraunen Strumpfhosen zu beginnen und bald wieder Kürbissuppe zu kochen, damit ich meinem lächerlichen, nicht aufhören wollenden, und doch immer wieder kehrendem Herbstklischee nachkomme – aber mir selbst doch treu bleibe. Schließlich geht es ums Feeling, und dazu kann vielleicht einfach ein dicker moosgrüner Schal beitragen, ohne mich jetzt vielleicht wieder zu sehr in mein Ottokatalogdenken rein zu manövrieren… Oh boy. Schon passiert.

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5 Responses to “Von Kastanien, Pilzen und Strumpfhosen”


  1. Lecker Kürbissuppe 😉 Habe letztens mein absolutes Lieblingsrezept entwickelt 😀

  2. capitan* Says:

    schön! capitan mag den herbst ebenso und genau darum!
    auf den cordrock werde ich jedoch verzichten!
    aber meine kürbissuppe, die ist unübertroffen! wetten?!

  3. Christoph Says:

    Meine Kürbissuppe ist aber noch besser. Ich sage nur: Chili!


  4. Uhhh, an meine kommt Kurkuma 😉 und feinstes Kürbiskernöl … jammi

  5. pjebsen Says:

    @hannasblog: Wenn er so beschrieben wird, kann sogar ich dem Herbst etwas abgewinnen. Aber mögen tu ich ihn trotzdem nicht. 😉


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