Slow Show

Dezember 7, 2007

Mittwochs war Full House im Knust und nachdem sich dann das aufgeregte Publikum beruhigt und die Band die Bühne betreten hatte, gings da wieder los, wo ich damals im b72 in Wien aufgehört hatte:

THE NATIONAL taten das, was sie am Besten können, und zwar Musik und das live. Sie geigten und sangen, tobten zart und waren in ihrer Welt, ihrem Element. Und auch wenn ich leise Konzerte so gar nicht mag, war dies ein Highlight, ein Indiehighlight in diesem Jahr, auch wenn ich sie damals, im kleinen bescheidenen Rahmen viel besser fand und durch Masse und unüberbrückbare Distanz keine Nähe (wenn auch innerliche) zur Band aufbauen konnte.

Ein weiteres Highlight war übrigens eine meiner letzten Mittagspausen, die ich bei Karstadt zwischen Silberschädeln, schwarzen Kaffeepots und Opis verbrachte, die für einen Teller Spaghetti Bolognese wohl über eine Stunde brauchen und dazu einen billigen Weißwein trinken, damit es besser rutscht.

Der Küchenhelfer hielt nicht viel was von meiner Nurkartoffelnmitgemüse-Idee und legte spärlich ein paar Erdäpfel auf meinen Teller, die in leichtem Butterfett schwammen, aber vorzüglich waren. Mein nun wohl allerletzter Versuch, Ketchup gut zu finden, scheiterte (siehe Bild) und so erfreute ich mich an Cola aus Pappbechern und trashigem Tischdesign und fühlte mich wie bei Autorast, irgendwo zwischen Udine und Verona.

Aber jetzt ist irgendwie alles weg, von…äh…dem guten Glanz alter Tage. Ähäm. Naja, draußen regnets die ganze Zeit wie aus Häferln, es weht der Wind, es graut das Grau und irgendwo mittendrin muss man sich seine kunterbunte  Kreativität aus dem Mundwinkel ziehen, damits auch weiter Brötchen gibt. Oder eben Reis mit Salz.

Aber was, wenn die gute nicht kommen will? Wenn man vor weißen Blättern und Illustratorseiten sitzt und die ganze Zeit mit web2.0 gefüllte Fenster öffnet, in der Hoffnung, dass sich da draußen gaaanz viel tut, was einem besser tut als Nasenbohren?

Gestern war auf jeden Fall Nikolaus und erst als ich so halbdebil und schwerst betäubt am Zahnarztstuhl lag, fiel mir wieder ein, wie gerne ich früher diesen tag mochte. Den heiligen Tag an dem das Wohnzimmerfenster immer mit rotem Seidenpapier ausgekleidet war, wo man dann Nüsse und Orangen fand, die man selbst als Kind nicht mochte. Und Hauspatschen. Und Schokolade. Die man dann mit in die Schule genommen hat (die Tschoklad, nicht die Schuhe) und sich abends, wenn man heim kam, weiter an dem roten Fenster erfreute.

Doch wenn man so weit weg und dazu noch alleine wohnt, bleiben einem nur zwei Möglichkeiten. 1. sich zum Affen zu machen und selbst das Fenster zu schmücken (und weiters dann am nächsten Morgen ganz überrascht im Nachthemd im Wohnzimmer zu stehen) oder 2. zum Tätowierer zu gehen und sich in der META Bold „Erwachsenwerden“ auf den rechten Oberschenkel stechen zu lassen.

Man muss da einfach locker lässig drüber hinwegsehen und sich auf wesentliche Dinge konzentrieren. Socken sortieren. Oder Altpapier wegbringen. Eben alles Dinge, die man immer machen muss aber nie machen möchte und dann noch viel unwichtigere Dinge jedes Wochenende vorschiebt, bis man wieder da sitzt und drüber nachdenkt, wie das früher so am Nikolo-Tag war. So, als ob Nostalgie irgendwas Effizientes gebären würde. Nix!

Leute, und ich kann Euch nur immer wieder ans Herz legen den google reader zu nutzen, erste Skepsis schnell und elfengleich zu überwinden, um gleich im Anschluss ein komplett sorgenfreies RSS-Feed-Leben zu führen und sich im Nerdluxus geborgen zu fühlen.

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4 Responses to “Slow Show”

  1. paracuda Says:

    Tha National fo‘ sho‘!
    Google Reader fo‘ life!

  2. Markus Says:

    Als ich an Nikolaus nachts nach Hause gekommen bin (bzw. eigentlich in der Nacht zu Nikolaus), standen bei den Nachbarskindern schon die gefüllten Schuhe vor der Haustür. War schon leicht versuchen, mir da Schokolade mitzunehmen, weil mir niemand mehr etwas in die Schuhe legt.

  3. derGast Says:

    Mhmhh – mein Tattoowierer hat mich ziemlich entsetzt angeschaut. Bist du sicher, ob es nicht da noch eine andere Alternative gibt ?

    Hoffend – dG

  4. hannasblog Says:

    Dein Tätowierer. Soso.
    Alternative? Aha.

    Aber nun bitte Klartext!


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