Staring at the rude bois

Dezember 4, 2007

Vor kurzem hatte ich mich ja schwer und heftig in Herrn Neufeld verliebt (siehe voriger Eintrag), nachdem Herr Pettit meine Liebe nur sehr schwach bis gar nicht erwidert hat.

Nein, man konnte echt nicht motschgern, als COMEBACK KID neulich im Übel & Gefährlich auf die Bühne gestürmt sind, und die 4 Vorbands im Zuge der NEVER SAY DIE! CLUBTOUR schon mit ihrem Opener in den Schatten gespielt haben. Ein Kracher nach dem anderen, nur Hits, keine versteckten Fanhoffnungen, Schweiß, Blut und ein irre Publikum, in dem auch ich stand und mich textsicher in die Heiserkeit katapultierte.

So habe ich gestern, nach einem Montagsscheiß zum Quadrat, nicht zu Hause auf meiner beigen Couch sitzen können und bin nach einer angebrochenen Weihnachtszeit-Reportage mit Lederjacke und Rockmusik in den Ohren ins Logo spaziert, wo ich die Zeit, wo die grottenschlechte Vorband auf der Bühne herumgeschwammerlt ist, mir mit dem neuen SOLD OUT MAGAZIN glattgebügelt habe.

Was dann kam, war schlichtweg ein gelungener Abend, mit – roar! – schwerem britischen Akzent, tätowierten Ober- und Unterarmen und einem blutenden Sänger, der mich so derartig faziniert, dass ich in gut und gerne blind mit auf die Liste der potenziellen Heiratskandidaten schreiben kann. Wo ich immer dachte, das Größe und Masse mir wichtig sind, machte sich ein rothaariger dürrer Zwerg breit, der mit seinen gierigen, blauen Augen die Welt aufzuessen drohte, dem alles nicht in den Kram passte, kurzerhand die Bühne in den Zuschauerraum umverlegte, quer durch den Raum rannte und sich auf die Bar schmiss, wo er, eingeklemmt unter der Decke, brüllte, gröhlte und sang und sein Mikro in die Decke rammte, dass wohl alle drei nicht unbeschadet nach dem Lied aus der Affäre kamen.

Die GALLOWS machten alles platt und selbst die kritischen Punker neben mir konnten sich kurz nach Beginn nicht mehr halten und bewegten Kopf und Oberkörper gut, aber verhalten.
Hamburg bewegt sich nun mal sehr verhalten bei Konzerten und mosht lieber in sich, als vorne rum – und das passte der Frontsau so gar nicht, freute sich dann aber über Chöre, Fans und einen dritten spontanen Gitarristen und hatte die besten Zwischenansagen, die ich je zu Ohren bekam. Mit im Gepäck deren neue Single, die live gar nicht so glatt und adrett klingt, wie die gemasterte und feingehäkelte Version davon, die man auch auf deren Website als Video zu sehen bekommt.

Sie kommen wohl nächstes Jahr wieder. Dann werden sicher viele Kinder da sein, Werbepunks, Grafickrocker und viele, die gestern da waren und! natürlich Frau Schumi. Wenn sie bis dahin nicht Neufeld heißt. Oder eben Carter.

So fuckin‘ nice.

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7 Responses to “Staring at the rude bois”

  1. paracuda Says:

    Bands haben grundsätzlich Angst vor dem „Hamburger Graben“. Aber so ist das nunmal. Liegt dann ja an der Band, diesen zu überwinden. Aber es scheint ja so, als hätte das dem Abend keinen Abbruch getan …

  2. paracuda Says:

    Kann ich denn jetzt George haben? ( ;

  3. hannasblog Says:

    Nie und nimmer!
    Er ist ja nach wie vor mein Favorit. Nur eben der Kaviar unter den Jungs. Und daher nur ein feuchtes Höschen.

  4. Supersonic Says:

    Sehr geile Band, danke für den Tipp. Wird sofort bestellt. Aber Konzerte in Hamburg sind echt immer so?
    Habe als letztes „Forward Russia“ im Molotov gesehen und da haben die Hamburger den Laden so gerockt…

  5. hannasblog Says:

    Das Molotow ist eine dicke fette Indieausnahme. Es ist klein, zu klein und von zu guten großen Bands gebucht. Da ticken dann zu viele Menschen in einem zu kleinen Raum aus, wo sie zu viel trinken und zu wenig Luft bekommen.

    Und eins ist Fakt:
    Indieleute TANZEN!
    Rocker und Metalerjungs bewegen sich nun mal verhaltener. UND die Hardcore/Punkfans spalten sich eben die Tanzbarkeit: ganz vorne Pogo ohne Ende und hinten nickende Köpfe.

    So ist das.

  6. paracuda Says:

    Also, es war nicht immer so und es kommt immer auf die Konzerte an. Bei den Metalcore-Bands wird von Anfang der Circle Pit gedreht, bei Metalbands wird eh mehr gemoscht, als auf Windmühle gemacht. Es kommt aber eher auf die Location an: Wenn das LOGO halbleer ist, dann hat eine Vorband es besonders schwer, weil man sich nicht so der Menge anschließen kann. Wie auch, wenn es keine Menge gibt.

    Ansonsten finde ich es nicht schlimm. Wenn eine Band gut ist, dann werden auch die Hamburger schnell warm. Damals wurde jede Vorband in der Markthalle vom ersten Lied an abgefeiert, was wohl an der Crossover-Welle lag. Damals fanden wir einfach jede Band live geil. Und lieber erstmal abgehen als auf die anderen zu warten.

    Heute ist man älter und man steht eh weiter hinten. Deswegen haben wir mehr Überblick und sehen mehr bzw. weniger abgehende Menschen. Als Band ist es aber echt scheiße, wenn man drei Meter Platz vor der Bühne hat und die erste Reihe verschränkte Arme hat. Das passiert aber nicht nur in Hamburg. Die Berliner sind sich auch gerne mal zu cool. ( ;

  7. paracuda Says:

    Ich erinner mich aber noch zu gerne an Alexisonfire im Molotow. Ausnahmezustand von Anfang an! Und feuchte Höschen in den hinteren Reiehen … = P


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