Achtung. Tagebucheintrag deluxe. (Klingt kitschig. Ist es auch. Aber dafür ehrlich.)

August 29, 2007

Als ich heute nach Hause kam, musste ich mich erst mal aufs Bett legen. Quer, nicht der Länge nach. Erst mal den Tag absacken lassen, die Schwere meines Körpers aufs Bett drücken und den Kopf nach links drehen. Mein linker Arm lag ausgestreckt neben mir, die Sonnenbrille noch in der Hand. Der andere Arm lag schwer auf der Verlängerung meines Halses. Auf der Brust. Nicht auf dem Busen. Und mein Blick war lang und leicht auf die Wolken gerichtet, die grau und weiß eine Streifendecke bildeten.

So lag ich da, lassen wir es fünfzehn Minuten gewesen sein. Mit eben diesem Blick nach draußen. Gerade erst noch starke Migräne und Rauschen und eine derartige Müdigkeit, dass ich im Büro schon bitten wollte, ob ich früher gehen kann. Da mich Kopf und Schwere nicht sitzen lassen wollten.

Unter mir meine dicke Daunendecke, die sich rechts und links von mir wie von selbst nach oben drückte. Im Augenwinkel mein currygelber Feinstrickpullover und überall: weiß. Ruhe, mein sich hebender Brustkorb. Mein sich senkender Brustkorb. Kompaktheit, Wärme, Licht und eine Stille, wie ich sie lange nicht genossen habe.

Als sich die Wolkendecke dann aufriß, wurde ich endlich langsam ruhig und ja! Ich muss den ganzen Yoga-Gurus hier eine total bescheuerte Phrase klauen… Ich hab mich gespürt. So ganz. Meinen Körper, meine Seele und eben diese beide in dieser Stadt.
Da wurde mir bewußt, wie gerne ich hier bin. Wie furchtbar gerne ich hier bin. Was für ein gelecktes Arschglück ich habe, mein Schloß hier zu haben. Das Schloß mit der blauen Schleife am Eingang. Was für ein Arschglück diese Leute, nein, Menschen um mich zu haben, die mit mir beim Lachen grunzen und Hack durch Sojaflocken ersetzen. Was für ein Arschglück ich eigentlich generell habe, auch wenn nicht immer alles klappt. Klar. Aber bei wem ist das denn eigentlich so. Die lügen doch.

Als ich dann fertig geguckt hatte und die Wolken entgültig zerrissen waren, war ich auch fertig. Minuten genossen.
Also aufstehen, ausziehen, anziehen, Laufschuhe dran und ab die Post. Auch wenn ich noch eine halbe Stunde zuvor, dank zufallender Lider, nicht im Haaransatz dran denken konnte. Und es war eine der besten Runden ever. Vorbei am japanischen Teehäuschen. Lichtersonnenblitze links, funkelndes Wasser und grünes Grün. Eine Sonne, mitten ins Gesicht. Leichte Schritte. Treibende Beats. Und am Ende frischgeföhntes Haar, Tomatensuppe und eine ehrliche Müdigkeit, die mit mir jetzt noch die lästige Wäsche aufhängen muss. Aber dann seelenruhig ins weiße Nachtdress unter die weiße Bettdecke schlüpft und noch, wie jeden Abend, ein, zwei Takte lesen muss.

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5 Responses to “Achtung. Tagebucheintrag deluxe. (Klingt kitschig. Ist es auch. Aber dafür ehrlich.)”

  1. lisa Says:

    zwei takte lesen.

  2. gokuhi Says:

    hallo,

    das tagebuch ist nicht kitschig – und das sage ich als „kerl“! – es ist in schönen bildern, ehrlich geschrieben. es gefällt mir.

  3. Supersonic Says:

    stimme ich zu.
    könnte ich so nicht. dafür fehlen die worte.

  4. moyashi Says:

    ein tagebucheintrag, der beim lesen glücklich und ganz ruhig macht.


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