kopf oder zahl

März 16, 2007

ich hatte, als ich klein war, ein fahrrad. das war klein und rosa und trug die aufschrift DORLI. in einer schönen weißen antiqua auf der fahrradstange drauf. und obwohl man in österreich einfach nicht so alltäglich fahrrad fährt, bekam ich dann irgendwann später, als dorli mir zu klein geworden war, ein neues fahrrad aus dem fahrradladen. ein großes ding und dunkelviolett.
damit bin ich keine 5 mal gefahren. einmal war ich mit meiner mama an der glan unterwegs, einmal, zweimal zum eis holen und an die restlichen ausflüge kann ich mich schon gar nicht mehr erinnern.

aber so ist das nun mal in kärnten. vorallem, wenn man am land wohnt. da legt man sich mopeds und autos zu, um in die große große stadt zu kommen.

aber jetzt, in hamburg, hab ich bemerkt, dass hier jeder fahrrad fährt. also wirklich jeder. und auch wenn die öffentlichen netze gut ausgebaut und miteinander verknüpft sind, ist es oft schneller zu fuss oder mit dem rad von a nach b zu kommen.

und so war ich mittwochs schwer motiviert mit auch eine gurke zu kaufen. nicht zu teuer sollte sie sein und mich sicher durch hamburg bringen.

gar nicht so leicht, denn ich hab ein problem mit großen damenrädern. und rädern mit zu hohen stangen und keinem rücktritt. aber ich hab mich tapfer durch alle fahrradläden in st. pauli gewuzzelt und musste jedoch immer an den ersten laden in der talstraße denken, wo ich mich schon zu beginn meiner tour in ein supersüßen kleines rotes faltrad verliebt hatte. 24″, gebogene lenker und weiße noppengriffe. und auf der rot-metallic-stange stand in großen lettern PATRIA. heimat. na, wenn das kein zeichen sein sollte.
ich hab den ganzen nachmittag dran gedacht und weiter viel zu groß fahrräder und viel zu hässliche andere an mir vorbeiziehen lassen.

nach der krankengymnastik wars mir zu blöd und ich bin in windeseile auf die reeperbahn gerast, um mir mein rotes kleines rad zu holen.

und als ich den laden betreten habe, konnte ich meinen augen nicht glauben:
da war just in diesem moment ein junger mann im laden, der sich mein rotes fahrrad näher anschaute und es dann packte, um eine proberunde zu fahren.
himmel!

nach seiner proberunde bestätigte er den fantastischen lauf dessen und meinte zu mir, was wir jetzt machen, da wir doch beide interesse haben und uns dieses rad nicht aus dem kopf gegangen ist.

wir losen darum! meinte er

mir solls recht sein. eh sehr entgegenkommend (er hätte ja gut einfach die gurke kaufen und abziehen können) und ich nehm einfach ZAHL wie immer.
doch durch einen unergründbaren wendepunkte sagte ich dann nur

ach, entscheide du, nimm, was du möchtest.

und schon war die münze in der luft und die zahl strahlte uns beide auf seinem handrücken kann.

genau hier ronnen bereist die ersten tränen aus meinen augen (ich mädchen!), die ich aber schnell wegwischte und noch namen und telefonnummer aufschrieben ließ, falls wieder so ein fahrrad für mich kommen würde. aber mein rotes fahrrad, das war jetzt weg und würde den komischen jungen mann nun auf seinem rollweg begleiten. und die tränen ronnen vor der tür einfach weiter.

dank einer schönen fügung, einer wunderbaren seele und eines wunderbaren menschen schob ich am selben abend noch ein großes silberens damenrad nach hause, das ich am nächsten morgen mal in die werkstatt brachte, um luft in die reifen und eine schraube in den sattel jagen zu lassen.

kaum aufgestiegen und auf dem weg zum grindel (ich bildete mir ein unbedingt zu den zwei gebrauchtfahrräderladen fahren zu müssen), baute ich fast 3 unfälle, weil das silberen rad nicht zu unrecht den von mir gegebenen namen “silberpfeil‘ trägt und mich noch dazu überlistete, da ich dachte, man kann ja man rücktritt bremsen.
also bin ich schnell wie der wind über die roten pflastersteine bis zum grindel gedüst, wo ich erst mal verschwitzt und mit zitternden knien ankam.

und da stand es dann. MEIN silberpfeil. grau glänzend, mit einem congnac-farbenen sattel, einem gebogenen lenker, faltrad, 24″ und einer aufschrift, dass man am liebsten die ganze zeit mit der hand darüber fahren würde.

und nachdem die klingel gerostet hat und ich das so nicht akzeptiert habe, hab ich noch eine neue dazu bekommen. mit einem krönchen daruf. welche, genau welche ich witzigerweise in einem anderen fahrradladen gesehen hatte und die sowieso kaufen wollte.

ja, das leben schreibtwohl die besten geschichten.

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11 Responses to “kopf oder zahl”

  1. teamoh Says:

    Zopf oder Kahl?

    Na dann steht ja einem gemeinsamen Fahrradausflug an den Elbstrand nichts mehr im Wege, fehlen nur noch ein paar wärmende Sonnenstrahlen, Bier und ein Grill.

  2. Trixi Says:

    Du saaaaaagst es! Einen Grill hab ich 😀

  3. hannasblog Says:

    SEIDS IHR MITN RADL DO?
    JO, WIR SAN MITN RADL DO, JO WIR SAN MITN RADL DO!

    wenn wir dann sutschini und erdäpfel grillen, bin i dabei!

  4. anke Says:

    Eine tolle Geschichte und auch wunderbar geschrieben!

  5. Glitzerliza Says:

    das is wirklich super de luxe!

  6. Nat Says:

    awww…schick.
    ich hatte mal ein hollandrad, das hab ich vererbt. und nun hab ich ne rostige möhre, die ich mit etwas farbe aufgemotzt hab; http://www.flickr.com/photos/moonsis/103434920/
    fahrräder sind schon was feines. heh.


  7. Schöne Geschichte & schönes Ende! Mein Fahrrad sieht Deinem sehr ähnlich, aber falten kann man es nicht. Hat Deines auch einen Namen? Meins heißt Antoine.

  8. hannasblog Says:

    @nat:
    ah, geiles blau! mir wäre ein umlakieren zu mühsam… aber prima idee!

    @lady-kinkling:
    ja! der name steht darunter. DORLI. wie mein erstes rosarotes.

  9. Visitor366 Says:

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