schokolade zum frühstück

Februar 5, 2007

hanna hat heute praktikantendienst. – und kaum war ich im büro angekommen, gabs eine große ansage und eine liste, was jetzt sofort zu besorgen wäre.

nun denn. pflicht ist pflicht und auch wenn ich keine handtücher mehr aufhägen mag, mir abends denke, dass kellnerinnen wenigstens trinkgeld und gute musik bekommen, hab ich mich vorne an den empfang gestellt und nur ‚wohin?…‘ gefragt. nützt ja nix.

die pflicht führte mich in den bezaubernden kleinen teeladen am schulterblatt, der gut über hundert tausend kalorien bunkert und mit einem angebot an schokolade, pralinen und marzipan auffährt, dass man schon beim hinschauen gefühlte 5 kilo mehr an den hüften hat.

das present wurde mit ruhiger stimme und geschickten händen verpackt und als ich sie fragte, ob es denn nicht schrecklich wäre, den ganzen tag vor all den nougat-würfeln hier zu stehen, meine die dame, dass es am anfang vielleicht so wäre, sie den laden aber schon so lange führe, dass nur noch die qualität zählt. sie ist eben ein profi.

sie meinte, das wären alles kalorienbomben (ach, echt?), weil auch noch mit butter gemacht. ‚außer die hier. die fantasie-trüffel‘, meinte sie dann und zeigte auf dunkelbraune puder-trüffel-pralinen, ‚die werden mit pflanzenfett hergestellt.‘ – und eh ich mich versah, nachdem ich gezahlt hatte, hatte ich einen von diesen kleinen scheißern in der hand.

‚kann ich die mitnehmen? ich hab noch nicht gefrühstückt!‘
ihr blick sprach bände.
‚ach was, stecken sie sich den jetzt einfach in den mund.‘

was dann folgte, ist schwer zu beschreiben. geschmacksorgasmus trifft es wohl am ehesten. denn sowas himmlisches habe ich noch nie gegessen. ungelogen. nicht in meinem ganzen leben.
das pudrige, pelzige war bald verflogen und innen offenbarte sich trüffel und schokolade, wie sie besser nicht sein kann. ich schwebte scheinbar in dem kleinen laden am schulterblatt und blieb noch kurz stehen, bis nur noch geschmack aber keine konsistenz mehr zu spüren war.

der weg zurück war mir ein leichter. in meinen gedanken war noch die leichtigkeit der älteren dame und die unkompliziertheit, die sie und ihr laden ausstrahlte.
als ich dann in der pianofabrik ankam, flimmerte noch depeche mode auf dem fernseher in der halle herum und nahm innerlich einen goldstift zur hand und rahmte den 5. februar 2007 in gedanken ein; den tag, an dem ich das erste mal in meinem leben schokolade zum frühstück hatte.

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3 Responses to “schokolade zum frühstück”

  1. kathy Says:

    sehr schön geschrieben!

  2. Glitzaliza Says:

    ich hätt jetzt auch gern schokolade und werde meinem wunsch auch gleich dann nachgehen. aber eine schöne geschichte mit einem netten schlusssatz. du bekommst jetzt wohl 2 lesenswert punkte..

  3. Janne Says:

    Genauso habe ich mich gefühlt als ich diese Fantasie-Trüffel das erste mal probiert habe. Ich musste erstmal innehalten und schmecken. Der Wahnsinn. Ärgerlich ist dann aber ganz besonders dass ich nicht in Hamburg wohne und somit nur zu besonderen Feiertagen (immer dann wenn meine Oma mir aus Hamburg etwa schenkt) Fantasietrüffel zu Gaumen bekomme.
    Danke für die Erinnerung dass ich das noch schnell bestellen muss 🙂


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